Peter Singer: Präferenzen

Präferenzutilitarismus

Über die Jahrtausende haben sich die unterschiedlichsten Philosophien und Ethiken entwickelt. Eine vergleichsweise neue ist der Utilitarismus, eine Folgenethik.

Präf.1

Heute soll es um eine Form des Utilitarismus gehen: den Präferenzutilitarismus.

Zuerst einmal sollten wir klären, was man eigentlich unter dem Begriff „Präferenz“ versteht:

präf.2

Ob und in welchem Maße eine Handlung die berechtigten Interessen (=Präferenzen) von Menschen berücksichtigt oder missachtet, wird vom Präferenzutilitarismus beurteilt.

Im Gegensatz zum klassischen Utilitarismus hat der Präferenzutilitarismus nicht die Handlung zum Ziel, die das größte Glück aller Betroffenen fördert, sondern möchte die Präferenzen aller Betroffenen berücksichtigen.

Als berühmtes Beispiel kann hier der Daschner-Prozess aus dem Jahr 2004 genannt werden.                                                                                                                                             Darin ging es um den damaligen Frankfurter Polizeivizepräsidenten Wolfgang Daschner, der 2002 nach der Entführung eines Bankierssohns dem Täter Folter androhte, falls er nicht den Aufenthaltsort des Jungen verraten würde. Daschner befürchtete, dass dieser sonst sterben würde.

In diesen Fall, wie auch in anderen Fällen, wird nach dem Prinzip des Präferenzutilitarismus auf die Interessen verschiedener Personen Rücksicht genommen; nämlich die des Täters, der Polizisten, der Richter und der Angehörigen des Opfers. Alle Präferenzen direkt betroffener Personen (die diese auch äußern können) nennt man interne Präferenzen.                                                        Als externe Präferenzen bezeichnet man die allgemeinen Wünsche und Interessen der Gesellschaft zu einem Fall; diese können auch unmoralisch sein.

Ein sehr bekannter und sehr umstrittener Philosoph und Präferenzutilitarist:

Präf.3

Peter Singer ist, obwohl durchaus beliebt in der Tierethik, aufgrund seiner Ansichten den Präferenzutilitarismus betreffend schon oft auf harte Kritik gestoßen.

Er definiert den Begriff „Person“ als ein sich seiner selbst bewusstes Wesen, das Schmerz und Lust empfinden kann und zukunftsdenkend ist. Für diese „Personen“ herrscht ein absolutes Tötungsverbot. Da ein Neugeborenes laut Singer dieses Selbst-Bewusstsein nicht besitzt, tritt hier das Verbot bis zum 28. Lebenstag außer Kraft.                                                                                                                                     Allerdings spricht er sich für ein Verbot des Schmerzzufügens für alle empfindungsfähigen Wesen aus.

Was halte ich vom Prinzip des Präferenzutilitarismus?

Meiner Meinung nach ist der Präferenzutilitarismus viel praxisnäher und besser durchdacht als der Handlungs- und der Regelutilitarismus. Da in jedem einzelnen Fall die Interessen von allen Betroffenen berücksichtigt und abgewägt werden, erscheint er mir außerdem sehr viel flexibler, was mir persönlich gut gefällt. Nicht immer sollten Gesetze der ausschlaggebende Grund für eine Handlung sein oder nur das größte Glück angestrebt werden. Es ist nur fair, dass jedes einzelne Individuum zu Worte kommt. Jedoch sehe ich hier auch kleine Schwachstellen, z.B. steht die Frage im Raum, wie genau die einzelnen Präferenzen letztendlich gewertet werden bzw. gewertet werden sollten. Peter Singers Meinung zu „Personen“ kann ich nicht teilen. Besonders die bis-zum-28.-Tag-Regel halte ich für sehr fragwürdig. Neugeborene haben teilweise ein sehr verschiedenes Alter, was 9 Monate, aber auch erst 5 Monate (gemeint sind die Monate im Mutterleib) bedeuten kann. Diese zwei „Typen“ Neugeborener befinden sich auch nach 28 Tagen in sehr unterschiedlichen Entwicklungsstadien. Außerdem haben Neugeborene, wie ich finde, das gleiche Recht auf Leben wie ein Erwachsener. Vielleicht mögen sie noch kein Selbst-Bewusstsein entwickelt haben, aber indem man sie tötet, verwehrt man ihnen die Möglichkeit, eines zu entwickeln. Deshalb ist das für mich eine nicht wirklich nachvollziehbare Herangehensweise.

Quellen

https://de.wikipedia.org/wiki/Daschner-Prozess

https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Singer